DORFFUNK_Ost - Die Stimme aus dem ostdeutschen Outback
Das ist der Podcast von Dirk Neubauer. Ehemals Landrat, vormals Bürgermeister, politischer Denker im lokalen Raum. Jetzt Unternehmer, Keynote-Speaker, Grüner Investor und Spiegel-Bestsellerautor. Gründer des Denkwerkes Ost. Hier werden Themen des sächsischen Outbacks behandelt. Die letzte Meile der Politik will hier Denkanstöße platzieren, Debatten spiegeln und Einsichten geben in das, was uns im lokalen, politischen Kleinstraum beschäftigt.
DORFFUNK_Ost - Die Stimme aus dem ostdeutschen Outback
'Wahlbeben: Wie retten wir das Land? Warum das Ergebnis uns alle meint.
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Die Wahl in meinem Heimatland hat mich erschüttert. Auch wenn es auf Ansage war. Auch wenn nur 0,7 % aller bundesdeutschen Wählerinnen die AfD ankreuzten. Ja, es war ein Baby. Aber es ist mehr. Es ist die letzte Ausfahrt, politisch grundsätzlich neu zu denken. Wie machen wir das beste Land der Welt wieder zu einer Herzenssache? Wir ersetzen wir Hass, Misstrauen und leere Versprechen durch Ziele, die eine Mehrheit wieder teilt? Auch wenn der Weg dorthin steinig wird? Ich denke: Wir haben dafür alles, was es braucht. Wir müssen nur bereit sein, anders zu denken, Politik anders zu verstehen. Nämlich als Ermöglicher auf Lebensebene. Nicht als Kümmerer oder Diktat und Regelwerk, bei dem man in Zukunft einen Antrag stellen oder gar beauftragen kann. Wir brauchen einen neuen Sozialpakt. Wir brauchen einen Transformationsplan. Un dwir müssen erkennen, dass dieses Wahlergebnis unser aller Handlung meint. Auch das der Bürgerinnen und Bürger.
Hallo liebe Freunde der gepflegten Kommunikation, hier ist wieder Dirk Neuber aus Augustusburg. Heute mal nicht mit einem energiepolitischen Thema, sondern natürlich ein bisschen auch mit einer Wahlrückschau auf Sachsen-Anhalt und das, was das mit diesem Land möglicherweise alles tut. Ihr wisst, ich habe viele, viele Jahre in der Kommunalpolitik verbracht, war Bürgermeister, ich war Landrat. Ich habe zu spüren bekommen, was rechts bedeutet. Und ich habe deshalb auch ganz bewusst jetzt mal ein paar Stunden vergehen lassen zwischen Wahlergebnis, was mich zugehendermaßen wirklich, obwohl es ja auf Ansage war, sehr getroffen hat, weil es mein Heimatland ist auch letztendlich. Und der Einordnung, die ich heute mal versuchen will, und zwar eine Einordnung, die nicht gegen irgendetwas spricht, sondern vielleicht das Ganze mal rumdreht und sagt, warum ist es denn so gekommen? Relativ logisch aus meiner Sicht. Und vor allen Dingen, was kann man jetzt tun, damit das nichts in Flächenbrand wird? Und vielleicht tatsächlich der ein oder andere Punkt, der da gesellschaftspolitisch kritisch drinsteckt aus Sicht der Wählenden, wir einfach lösen und auch vielleicht auch anerkennen, dass einiges in diesem Land nicht wirklich gut funktioniert. Wer mich kennt, weiß, dass ich das schon ewig rede. Aber vielleicht ist das jetzt mal so der Impact gewesen, den es auch auf bundes- und landespolitischer Ebene brauchte, um wirklich mal ins Denken zu kommen. Hoffen darf man ja noch. Ja, dass das Ganze mich getroffen hat, habe ich, glaube ich, ja eben schon gesagt. Und natürlich ist das ein schmerzhafter Einschnitt und auch ein sehr, sehr katastrophales Signal in die Welt. Das muss man so sagen. Wir haben eine besondere Geschichte in diesem Land und diese Partei, ob ihr das nun gefällt oder nicht, beherbergt eine ganze Menge wirklich gerechtsfest verurteilter Rechtsextremisten und die man ja teilweise sogar Nazis nennen darf, ganz offiziell. Das fällt ja nicht vom Himmel. Und wenn eine Partei sowas tut, dann hat sie natürlich eine Positionierung und das wird auch wahrgenommen. Das eint sie mit vielen europäischen rechten Tendenzen, glaube ich. Also schauen wir nach Italien, nach Frankreich, schauen wir nach Amerika. Also es ist nicht nur ein innerdeutsches Problem und es ist auch nicht nur eine Watschenwahl für März, das wäre zu klein. Das muss man an der Stelle mal sagen, weil ich habe jetzt die letzten 24 Stunden relativ viele Einordnungen, Analysen, alles mögliche, Diskussionsrunden, diese üblichen Phrasendreshmaschinen aus politischer Ebene. Wir werden jetzt alles besser machen. Wir haben es nicht geschafft, die Leute emotional zu erreichen. Mag alles irgendwo ein Stück weit so sein, aber letztlich muss man sehen, dass diese Welt insgesamt sich bewegt und dass wir Teil davon sind und dass sich das natürlich schon ein Stück auch einordnet in das, was international gerade passiert. Und das ist natürlich gesteuert und auch befeuert von großen libertären Bewegungen, die den Leuten einreden. Je mehr Marktfreiheit wir haben, desto besser wird es euch gehen. Das ist ja so ein bisschen die Geschichte, die hinter dieser Magerbewegung steckt, hinter dieser auch Freiheitsbewegung steckt. Am Ende des Tages sehen wir, dass es nicht so ist. Also wenn man sich die wirtschaftsökonomischen Daten in Amerika gerade anschaut, tritt genau das Gegenteil ein. Also das, was Trump dort tut, erzeugt genau eigentlich den Gegeneffekt. Das Leben wird immer teurer. Seine Zollpolitik ist irrsinnig, isoliert ihn international auch sehr. Hm, mal sehen, wie es weitergeht. Ja, und wir schlüttern da so ein Stückchen mit. Aber, und das muss man eben ganz klar sagen, und das ist mein Punkt, auf den ich raus will, vieles, vieles, vieles von dem, was da gerade passiert, haben wir uns wirklich, wirklich selber eingebrockt. Und das rede ich schon seit, weiß ich nicht, 15 Jahren, immer denselben Text. Ich habe immer gesagt, wenn es rechts neben der CDU irgendwann mal was gibt, was Boden unter die Füße bekommt, das eint mich interessanterweise mit Strauß. Oh Gott, wenn ich das mal hätte sagen sollen oder wenn ich gewusst hätte, dass ich das mal sage. Aber es ist tatsächlich so, rechts neben der CDU ist halt raumfrei geworden. Das ist ein Stück weit Ergebnis von Merkel-Politik. Also ich habe immer gesagt, ich mag sie sehr im Übrigen. Ich habe immer gesagt, Angela Merkel ist die beste Sozialdemokratin, die wir jeweils in diesem Land hatten. Und das hat natürlich mit der Partei was gemacht, weil diese Partei natürlich alle in dieser Schlafwagen, Wohlfühl, Romantik, die wir in der deutschen Politik ja pflegen, alle ihr Hai in der Mitte suchen und sich in der Mitte so langsam angefangen haben, tot zu treten. Aber auch Angela Merkel hat sich in die Mitte bewegt. Das erste schmerzhafte Signal eigentlich, oder deutliches Signal, war eigentlich, als die FDP das erste Mal aus dem Deutschen Bundestag flog, war eigentlich klar, dass da irgendwas schiefläuft. Also dass da in der Mitte plötzlich für eine klassische liberale Partei einfach keinen Platz mehr war. Es gab keine Notwendigkeit mehr, und gibt es auch heute im Übrigen nicht, aber das haben sie sich auch selber zuzuschreiben, eine liberale Partei zu wählen. So, weil nämlich damals alles in die Mitte drängte und damit wurden die Ränder frei, sowohl links, das sehen wir jetzt im BSW, als auch rechts, das sehen wir mit der AfD. Das ist relativ unstrittig, glaube ich, dass das so gekommen ist. Und was wir aber nicht hinbekommen haben, ist, dass wir in diesem Land eine Zukunftsidee entwickelt haben. Was will dieses Land eigentlich 2050, 2060 eigentlich sein? Und das breche ich jetzt mal nicht auf die Bundeslande runter, weil das ist, glaube ich, auch eine Aufgabe von der Bundesregierung, den Menschen eine Vision zu geben und die auch glaubhaft zu begründen und zu transportieren und damit auch ein Stück weit zur Herzenssache der Leute zu machen. Also wir spüren ja sehr deutlich, dass Menschen, und das steckt ja in diesem Rechtssichenden auch ein Stück weit mit drin, nach einer Identität suchen. Also sie suchen nach Gemeinschaft und sie suchen nach etwas, wozu sie gehören können und wo ihr Herz hingehört. Wir sind emotionale Menschen, wir sind keine rationalen Wesen, wie wir es gerne hätten. Also die Parteiprogramme auswerten in Excel-Tabellen und sagen, plus, plus, plus, plus, plus, das wähle ich jetzt, sondern wir laufen natürlich dem hinterher, der uns toucht. Und zwar da links. Und vielleicht auch ein Stückchen hier manchmal, aber bei den meisten halt nicht. Und das ist jetzt passiert, also diese identitäre Bewegung greift eigentlich, weil wir diese Räume schaffen, weil wir Leute alleine lassen, weil wir soziale Ungerechtigkeiten in diesem Land schon sehr, sehr, sehr, sehr lange akzeptieren, weil es zum guten Ton gehört, auch schon über Jahrzehnte immer nach unten zu treten und immer noch einen Schwächeren in der Gesellschaft zu suchen, an dem man sich auslassen kann. Zurzeit sind es die Migranten, die dafür herhalten müssen. Aber natürlich sehen wir auch ganz deutlich bei der AfD, also Bürgergeldempfänger sind ja quasi nichts. Interessanterweise werden sie von denen sehr, sehr gewählt. Also ich habe gesehen, Sachsen-Anhalt haben 65% der AfD-Wählenden gesagt, ihnen geht es ökonomisch schlecht, also das korreliert. Und sie wählen trotzdem eine Partei, die eigentlich ihre Interessen nicht vertritt. Daran sieht man schon, das passiert hier und da. Und emotional. Und ja, und wenn man das eben nicht schafft, ein Zukunftskonzept zu entwickeln, das natürlich auch heute, das muss man ganz klar sagen, wir brauchen Reform, wir brauchen wirklich große, große Einschnitte. Wir müssen den Klimaschutz mit einrechnen, wir müssen die Energiewende wuppen, wir müssen eine Mobilitätswende hinkriegen, wir müssen neues soziales Versprechen hinbekommen. Und wir müssen dringend dafür sorgen, dass also nicht nur ausreichend Arbeit da ist, sondern auch Arbeit da ist, von der man leben kann. Und das alles kulminiert in Sachsen-Anhalt. Es ist das Land mit dem geringsten Durchschnittseinkommen in Deutschland. Insofern war es eigentlich fast folgerichtig, dass es dort zündet. Und ich war in den letzten Wochen viel in Sachsen-Anhalt unterwegs, habe viele, viele Menschen dort kennengelernt, also nicht wegen der Wahl, sondern ich bin beruflich dort. Und ich merke schon, dass dort die Uhren anders gehen und dass dort ländlicher Raum zum Beispiel nochmal was völlig anderes bedeutet, als zum Beispiel in Sachsen im ländlichen Raum zu leben, dass man sehen kann, auch in den Orten sehen kann, dass die Durchschnittseinkommen jetzt nicht so durch die Decke gehen. Und das alles trägt natürlich seinen Teil bei. Jetzt höre ich schon wieder, dass er um Gottes Willen diese Jammer aussieht und man kann ja nicht immer alles von seiner persönlichen ökonomischen Situation abhängig machen. Das stimmt, also das unterschreibe ich. Ich sage auch immer, nichts rechtfertigt, das Kreuz da ganz rechts, keine Wut dieser Welt. Aber wir müssen ja trotzdem sehen, dass die Analyse stimmt und dass wir, dass wir zunächst erstmal durchsortieren, was sind denn eigentlich die Gründe. Und man muss schon sagen, dass wir uns, dass wir es nicht schaffen, dieses Land quasi in guter Laune beisammenzuhalten. Und das ist gerade in Krisensituationen oder in, ich will gar nicht von Krise reden, weil das auch Quatsch ist. Also 98 Prozent der Weltbevölkerung beneidet uns um das, was wir hier haben. Sonst würden ja auch nicht so viele Menschen so viel auf sich nehmen, so viele Gefahren auch auf sich nehmen, hierher zu kommen. Also so schlecht kann es ja nicht sein. Aber auf der anderen Seite muss man eben auch sagen, es ist natürlich trotzdem berechtigt, dass man darauf hinweist und dass das Themen sind. Und wenn wir es nicht schaffen, diese Themen zu bündeln und wie gesagt, nochmal eine Zukunftsperspektive zu entwickeln, dann fasert das alles auseinander. Und ja, und wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr dazu zu gehören, dass dieses Aufstiegsversprechen, was die alte Bundesrepublik lange getragen hat, nicht mehr aufgeht. Also, dass ich quasi Zeiten meines Lebens, und das ist eine Wahrheit, die gab es schon immer, und ich will es ihr auch nochmal deutlich sagen, wir alle sind näher am Bürgergeld als an der ersten Million. Und in diesem Land wird halt immer Politik gemacht für diese Menschen, die diese ersten Millionen vielleicht auch schon geschafft haben. Und das muss man ausgleichen und dann darf man auch nicht immer auf den Sozialstaat schimpfen, sondern wir schaffen ihn uns ja, wenn wir zu niedrige Mindestlöhne haben, wenn wir Altersarmut damit letztlich ja festschreiben, wenn es schon mit regulärer Arbeit kaum möglich ist, eine vernünftige Altersvorsorge zum Beispiel aufzubauen, dann sind das die Sozialkosten der nächsten Jahrzehnte. Und klar ist also, wir müssen was ändern. Klar ist auch, dass das mit Einschnitten verbunden sein wird. Aber klar ist auch, dass diese Einschnitte im Osten wahrscheinlich gar nicht so groß sind, weil wir noch gar nicht so weit sind. Also die Einschnitte passieren eigentlich wahrscheinlich eher in den alten Bundesländern. Und ich denke manchmal, dass das der Grund ist, warum wir nicht wirklich was auf die Kette bringen, weil dort natürlich das Wahlvolk sitzt, das tatsächlich über diese Republik abstimmt. Dann machen wir uns nichts vor. So katastrophal dieses Wahlergebnis ist, es sind 0,7% der Wählenden in Deutschland gewesen, die jetzt AfD gewählt haben. Das ist im Vergleich nichtsdestotrotz ist es natürlich ein unfassbar starkes Zeichen und ein wahrscheinlich letzter Warnschuss, den wir jetzt hören sollten. Und lange Rede, kurzer Sinn, wie machen wir das denn jetzt eigentlich? Ich habe ja gesagt, dagegen muss man wahrscheinlich sein. Also ich bin ganz klar gegen Rechtsradikale. Da kann es keine zwei Meinungen geben. Ich bin auch gegen Radikale, egal aus welcher politischen Richtung sie kommen, weil ich glaube, dass die Extremisten in diesem Land, egal woher sie kommen, das miteinander so stark polarisieren und gefährden, dass es eher schwieriger wird. Also Extremismus, Gewalt, egal aus welcher Himmelsrichtung, darf es nicht geben. Also das ist nicht nur nicht das letzte Mittel, sondern das ist eigentlich gar kein Mittel. Also das muss uns klar sein, dass, also, und Gewalt geht bei Sprache los. Da müssen wir echt aufpassen, dass wir das in Zukunft nicht zum Standard werden lassen, dass wir Menschen ausgrenzen, wirklich extrem bekämpfen und auch teilweise bis in ihren privaten Bereich hinein Existenzen vernichten. Also es reicht ja heutzutage nicht nur, jemanden im Diskurs zu schlagen, sondern man muss ihn ja vernichten. Und diese Vernichtungsdebatten, die haben diesen Land wirklich nicht gut getan und das spiegelt sich dann alles am Ende nach unten wider. Das ist eigentlich, glaube ich, relativ klar, wie sowas passiert, was da sagbar ist, ist dort machbar und wird da umgesetzt. Also das war schon immer so, das hat um Dritten Reich und in den Vorläufern des Dritten Reiches, also zwischen Weimar Republik und dem Dritten Reich, schon sehr gut funktioniert. Und da gibt es Parallelen. Ich weiß, da wird man auch immer gescheuten, wenn man das sagt, aber es gibt große Parallelen momentan. Und deshalb, Deutschland. Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir das Land nicht an die Wand fahren. Ich sehe, als eigentlich einzelne Akteure momentan, die Kommunen and ihre Bürgerinnen und Bürger, die da wohnen. Warum? Gibt es ganz klare Gründe. Großes Misstrauensproblem in Richtung Politik. Das kann ich eigentlich nur aufbrechen in einem Kreis, wo sich Menschen, wo sich die handelnden Menschen kennen oder wenigstens kennen können. Und da sind wir selbst, also bei kleinen Kommunen ist das sowieso so, bei größeren Städten ist es noch lösbar. Das heißt also, hier habe ich noch eine 1 zu 1 Verbindung, auf die kommt es jetzt eigentlich an. Also dort muss die Vertrauensbasis wieder hergestellt werden, damit we künftig tatsächlich wieder etwas haben, worauf wir aufbauen können. Also wir müssen quasi this political system so wie it eigentlich sein sollte, namely from the commune aufwärts gedacht. That müssen wir jetzt machen. Also we müssen this land quasi neu von der Commune auswärts denken. Warum? That is zweitens. Alle Probleme, die wir diskutieren, ob das Klimawandel, die Energiewende ist, die wirtschaftliche Situation, Migration, die ganze Transformationsleistung dieses Landes eigentlich, findet wo statt? In den Kommunen. And deshalb muss man doch den Blick, den politischen Blick rumdrehen und sagen, was braucht denn die Kommune eigentlich alles braucht, um das wirklich umsetzen zu können, um mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam vor Ort ganz konkret die Probleme zu lösen und zu ganz konkreten Lösungen zu kommen. Und davon sind wir ultra weit weg. Wir haben eine katastrophale Kommunalfinanzierung nach wie vor. Viele Kommunen können selber überhaupt nichts entscheiden. Also die hängen am Landkreis oder bei vielen wirklich wichtigen Entscheidungen schon auch über Fördermittelstrukturen gesteuert in so eine Art Genehmigungsgefängnis. Das heißt also, ich muss Fördermittel beantragen und wenn demjenigen, der dir zusagt, mein Projekt nicht gefällt, dann kriege ich halt die Fördermittel nicht. Und das wird immer dadurch begründet, dass man sagt, wir haben zu wenig Geld und da müssen wir die besten Sachen und so weiter. Also jeder in der Kommunalpolitik unterwegs ist, kennt das Spiel. Und entweder man kennt einen, der einen kennt, oder man hat wirklich einfach die Kraft, zu sagen, ist mir jetzt egal, wir machen das. Oder man fällt hinten runter. Und drittens ist das deshalb wichtig, weil die Kommune die Schnittstelle ist zwischen Staat und Bürger. Und der Bürger wird immer entscheiden, ob er in einem guten Staat lebt, wenn die Kommune funktioniert oder eben nicht funktioniert. Also wenn ich eine hochdysfunktionale Kommune habe, die nicht mehr in der Lage ist, die Schule intakt zu halten, die Straßen zu reparieren, einen vernünftigen Bürgerservice herzustellen, etc. pp, dann sehen wir ganz deutlich, dass dort die Stimmung gibt. Und weil die Leute sagen, Scheißstaat. Und ja, die trennen natürlich nicht zwischen Kommune, Landkreis, manchmal auch Regierungspräsidien oder die ganzen Ebenen, die wir haben, Land, Bund, Europa. Die Leute trennen das nicht. Ihr Leben, ihr Leben und wenn sie vor der Tür gehen und es funktioniert nicht, dann ist es ein Scheißstaat. Ist vielleicht ein bisschen verkürzt, aber aus normaler Bürgerinnensicht, glaube ich, erlaubt. Wir politischen Menschen, also ich zähle mich da dazu, ich bin extrem politisch interessiert, wir sehen das natürlich anders, wir beschäftigen uns jeden Tag damit, wir kennen die Abläufe, wir kennen die Probleme, wir wissen auch zur Not, wen wir anrufen sollen, wie die Instanzen funktionieren. Aber schon bei meinen Nachbarn ist da Feierabend und ich kann das verstehen, weil das ist nicht deren Job. Deren Job ist, eigentlich ihr Leben zu leben, sich vielleicht in eine Kommune einzubringen, über Vereine etc. Wir machen die meisten sowieso. Also hier zumindest im ländlichen Raum ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand sich engagiert, relativ groß. Aber er darf doch darauf vertrauen, dass wir die rechtlichen Sachen so regeln, dass wir eine Grundlage haben, also ich sage immer die Ermöglichung, es Politik zu machen, den Fußballplatz zu bauen, damit die Menschen Fußball spielen können. Fußball spielen müssen sie dann alleine, den Ball müssen sie auch selber mitbringen. Aber wir sind doch dafür da, das Spielfeld zu bereiten. Und das würden viele Kommunen gern tun, aber können es nicht mehr, weil sie finanziell in der Regel im Kollaps hängen, weil wir überreguliert sind, weil wir immer noch analog sind, weil wir unglaubliche Reibungsverluste haben und eine Gesetzesdichte, die zum Himmel schreit, gelegentlich. Und ich glaube, dass das da kommt sogar die Glocke. Ich glaube, dass das ein wesentlicher Ansatzpunkt ist, die Kommunen wieder funktional zu machen. Und das heißt, wir müssen dieses dann komplett anders denken. Die Kommunen müssen eine ganz andere Wertigkeit in diesem politischen System bekommen. Die müssten eigentlich auf Augenhöhe mit Bund und Ländern agieren können. Und so müssten auch finanzielle Ressourcen verteilt werden. Das ist doch eigentlich Irrsinn, was wir machen. Wir sammeln das Geld jetzt ganz unten ein, verteilen das nach ganz oben und verteilen es von oben wieder runter. Das kann man alles ändern. Das ist doch einfacher, als man glaubt. Also das ist wirklich reiner politischer Wille. Und überall da, wo wir es mal ein Stück weit versucht haben, also wenn so ein Bundesland, wir jetzt mal bewusst gar keins nennen, so großherzig sagt, wir packen jetzt Geld in Pauschalen und geben das in die Verantwortung der Gemeinde und Stadträte. Klammer auf, so sollte es eigentlich sein, Klammer zu, wenn das Geld da ist. Und dann sehen wir, wenn wir das so machen, funktioniert das in der Regel viel, viel besser. In Sachsen ist das gewesen mit den Straßenbau Pauschalen. Da hatte der Freistadt, da gab es Kräfte im Freistadt, die großes Interesse daran hatten, zu zeigen, dass es nicht gehen wird. Wir haben dann gezeigt als Kommunen, dass es geht. Also wir brauchen sehr viel mehr freies Geld, wir brauchen weniger Förderung, weniger Regulierung, wir müssen mehr subsidiäre Entscheidungen in den Kommunen, auch mit den Bürgerinnen und Bürgern herstellen. Auch da müssen Gemeinde und Stadträte umdenken, mehr mit ihren Bürgerinnen und Bürgern zusammenstehen und dann quasi, wenn man so will, Prioritätslisten machen. Was machen wir denn mit den Mitteln, die wir jetzt zur Verfügung haben als erstes, und was machen wir als letztes und was können wir vielleicht gerade nicht. Also mehr Ehrlichkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, mehr Autonomie für die Kommunen ist, glaube ich, das Gebot der Stunde. Weil das sind jetzt im Moment die einzelnen Punkte, wo wir noch tatsächlich Menschen fassen können, im Herz erreichen können, wenn sie sich einbringen, direkt in ihrem heimatlichen Umfeld und merken, dass das wirkt. Also dass es wirklich auch Sinn macht, sich da einzubringen. Und das ist für mich die allererste Baustelle, die wir jetzt erreichen müssen. Da gibt es viele, viele Möglichkeiten. Die Energiewende kann da helfen, was Finanzierungsfragen betrifft, auch günstige Energie am Ende betrifft, Klimaschutz betrifft. Das sind auch Themen, die die Menschen wirklich umtreiben. Also soziale Sicherheit hat was mit Kosten zu tun und vor allen Dingen eben tatsächlich auch mit Strom- und Wärmekosten. Und da haben wir einen ziemlich konkreten Ansatz, den man verfolgen kann. Der ist bei den Leuten gerade nicht beliebt, aber das kann man durchdiskutieren und das muss man wahrscheinlich dann kommunal auch tun, um das abzuwägen und den Leuten ganz klar zu machen, was das mit ihnen direkt vor Ort macht und was nicht. Also ich könnte das jetzt fortsetzen, ich will das gar nicht hier vertiefen an der Stelle, aber ich will sagen, wir sind dem nicht ausgeliefert. Und ja, die große Politik muss sich jetzt sortieren, das sehe ich auch so. Aber damit wir ins Handeln kommen, kommt es ein bisschen auf uns an, was wir in unseren Community machen. Kann eigentlich jeder. Also es kann jeder morgen auf die Straße gehen und sagen, Leute, lasst uns zusammensetzen, lasst uns darüber reden. Wie kriegen wir das Leben so organisiert, dass wir hier wieder mehr Spaß and Freude miteinander haben, dass wir sagen können, uns geht's gut? Was schaffen wir nicht? Wo brauchen wir Hilfe? Also ganz konkret in die Lösung zu gehen und sich gar nicht mehr so sehr ausschließlich damit auseinanderzusetzen, auf die Straße zu gehen, zu protestieren. Ich denke, das ist wichtig. Aber ich denke, dass es wichtiger ist, Energie in einen Vorwärts zu entwickeln, um den Menschen wieder eine Idee zu geben, um den Menschen wieder zu zeigen, dass es um sie geht und um den Menschen auch Instrumente zu geben, selber sich einbringen zu können und zu merken, dass diese Demokratie nicht einfach nur eine Phrase ist, sondern ein echt hohes Gut. Und wir leben immer noch in einem der freisten Länder dieser Welt. Und Demokratie ist, wenn eine Partei wie die AfD gewählt werden darf. Ich muss das auch immer so sagen. Die tun ja immer so, als wären sie irgendwie so die Underdogs und so halb verboten. Und sie dürfen gewählt sein. Und es ist unglaublich schwer, einer Partei nachzuweisen. Deshalb tut sich dieses Land ja auch so schwer damit nachzuweisen, dass es eine verfassungsfeindliche Partei ist und dass man eigentlich in ein Verbotsverfahren gehen müsste. Das alles spricht doch dafür, dass wir ein freies Land sind. Und dass ich hier auch alles, was ich so digital an Kommentaren lese, auch selber teilweise bekomme, was wirklich streckenweise echt abartig und grenzwertig ist. Aber es darf doch trotzdem gesagt werden. Und das sind die Leute, die immer sagen, man darf hier nichts mehr sagen. Und den wünschte ich tatsächlich meine DDR-Erfahrung und denen empfehle ich, keine Ahnung, reißt doch in ein besseres Land aus, beispielsweise Russland, versucht dort mal euer Glück und versucht das dort mal zu machen, wie ihr das hier macht. Und ihr werdet feststellen, dass dieses Land hier gar nicht so schlecht ist. Und damit will ich eigentlich schließen. Wir leben in einem tollen Land nach wie vor. Wir sind ein reiches Land. Es geht den meisten Menschen hier überdurchschnittlich besser als vielen, vielen, vielen Milliarden Menschen auf dieser Erde. Das ist ein hohes Gut. Hier kann jeder sagen, was er denkt, solange er sich im rechtlichen Rahmen bewegt. Und ich finde, der ist ziemlich weit gesteckt durch unsere Verfassung, die im Übrigen auch eine der besten dieser Welt ist. Und wir sollten uns jetzt nicht kirre machen lassen von irgendwelchen Leuten, die ihre eigenen Interessen vertreten, die Libertären zum Beispiel, die gerne noch mehr Geld verdienen wollten. Guckt euch an, wer hinter diesen ganzen Bewegungen steht. Das sind Ultramilliardäre, das ist toxischer Reichtum, der hier durchschlägt und der auch in diesem Land viel Protest finanziert. Dazu recherchieren wir gerade. Das ist spannend zu sehen, wie sich mittlerweile auch so Anti-Bewegungen weltweit organisieren, also wirklich globale Bewegungen sind mit unglaublich viel Geld und Kraft. Aber dazu vielleicht später mal. Heute war es mir wichtig, mal meine Sicht der Dinge zur Wahl zu sagen. Achso, und was auch noch wichtig ist, danke an immerhin wirklich den übergroßen Teil der Wählerinnen und Wähler, die überhaupt zur Wahl gegangen sind. Auch wenn das Ergebnis mir nicht gefällt, muss ich doch trotzdem sagen, toll, dass ihr über ihn gegangen seid, dass ihr diese Möglichkeit genutzt habt und ein wirklich demokratisches Zeichen auch mit der Wahlbeteiligung gesetzt habt. Das muss man kritikfrei einfach sagen können. Ja, was machen wir jetzt damit? Ich gehe auf Tour, habe ich beschlossen. Wir haben ja schon sehr lange so ein Fünf-Punkte-Programm entwickelt, wo wir glauben, dass wir also auf kommunaler Ebene wieder handlungsfähig werden und vielleicht wirklich ein Stück weit auch diesen Trends aktiv entgegentreten können. Das heißt, wie retten wir unser Land? Und mal gucken, die ersten Anfragen sind jetzt da. Ich habe gestern angefangen dafür zu werben. Vielleicht sehen wir uns ja. Vielleicht habt ihr eine Idee, wo ich das machen kann. Lässt sich relativ leicht organisieren. Ist ein Vortragsabend mit anschließender Debatte. Also wer Lust hat, melde sich bei mir. In diesem Sinne, ja, wünsche ich euch viel Freude mit euren eigenen Erkenntnissen zur Wahl. Vielen Dank, Euer Dirkner Bauer.